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04.02.2009

Indiepop

Honig. DAS KONZERT FÄLLT AUS!

Ist eigentlich merkwürdig, dass diesen Mann noch keiner kennt. Stefan Honig hat immerhin das Meisterstück vollbracht, in einem viel gelesenen Magazin für alternative Musik sowohl mit seiner Band Benevolent als auch mit seinem "Soloprojekt", das eigentlich kein wirkliches ist, den Titel "Demo des Monats" einzufahren. Das mag zwar ein unwichtiger sein, aber erstmal nachmachen! Aber worauf Stefan Honig mit seiner "Hauptband" seit 2004 wartet, hat er mit seinem Ausflug in die Selbstständigkeit heuer erreicht: endlich einen Plattendeal, endlich eine Möglichkeit, mal mehr Leute zu erreichen als nur bei Konzerten oder bei Myspace oder so. Gib dem Kind einen Namen, nenne es einfach Honig. Die Platte heißt "Treehouse" und erscheint bei Babsies Diktatur, das ist fein.
 

Wer Benevolent ein wenig kennt und ihre Musik, die irgendwo zwischen Death Cab For Cutie und Artverwandtem pendelt, wird sich vielleicht im ersten Moment denken, dass Stefan Honigs erste eigene Platte gar nicht so furchtbar viel anders klingt, nur dass er selbst, dem Solistendasein geschuldet, seine Songs vorwiegend auf eine Basis aus Stimme und Gitarre stützt. Was hingegen tatsächlich bereits beim ersten Hördurchlauf unübersehbar ist, sind die vielen Anspielungen auf seine oder eine Kindheit: das Baumhaus im Titel; Songnamen wie "Brand New Bike" oder "Breakfast Cereals", und das von, ja, Kinderchören begleitete "Choke On Bees", eingeleitet von der mit Marimbas betörenden "Kalimbalude", ist in all seiner Niedlichkeit vordergründig nicht mehr und nicht weniger als ein lupenreines Kinderlied darüber, dass man Bienen besser nicht verschlucken sollte. Vorder- und Hintergründigkeit sind gute Stichwörter, denn sie bezeichnen "Treehouse" ziemlich treffend. Niedlichkeit ist nicht immer alles, Verspieltheit spricht nicht immer für sich allein, und so täuscht viel Schönes über die textlich teilweise sehr melancholischen, zuweilen sogar schweren Songs hinweg. Das musikalische Spektrum ist zudem wesentlich breiter gefächert, als man es von einem 08/15-Singer-Songwriter erwarten würde. Angefangen bei den ausladenden Bläsern im Opener "In Full Makeup" bis hin zu den immer wieder auftauchenden elektronischen Spielereien (die vor allem Stefan Honigs ehemaligem Benevolent-Kollege Jan Sedgwick zuzuschreiben sind, der sich ebenfalls im Projekt Honig ein bisschen kreativ "austoben" darf) sowie den zuvor zitierten Kinderchören: "Treehouse" ist und bleibt vom ersten bis zum letzten Ton ein Konstrukt aus Sonnenstrahlen und Melancholie; spannend von Anfang bis Ende. Fragwürdig ist lediglich, dass als Ausklang der Platte ein etwas elektronischeres, durch kleinere Breaks und Cuts "aufgewerteter" Remix der Single "Brand New Bike" zu hören ist. Ein Thema der Platte als letzten Song nochmals aufzugreifen, ist zwar für sich durchaus sinnig; den ganzen Song im Grunde bis auf Kleinigkeiten 1:1 hintendran zu hängen jedoch leider nicht allzu nachvollziehbar. Doch was soll's. Platten wie "Treehouse" kann man, gerade im Herbst, wo man über jeden Sonnenstrahl dankbar ist, der sich den Weg gerade durch ins Herz bahnt, durchaus als Geschenk bezeichnen; unnötiger Bonus-Track hin oder her. (Nillson.de)