Als Johannes Sigmonds sechs Jahre alt war, hatte er ein einschneidendes Erlebnis: "Ich fand heraus, das man Kassettenrekorder zum Aufnehmen der eigenen Stimme benutzen kann", sagt der 37-jährige aus den niederländischen Utrecht. "Seitdem habe ich nicht mehr aufgehört Songs zu schreiben und aufzunehmen." Seit einigen Jahren tut er dies unter dem Namen Blaudzun – inspiriert von dem dänischen Fahrradsportler Verner Blaudzun. "Ich bin großer Radsport-Fan, gehe zu Rennen und schaue mir große Touren wie die Tour de France im Fernsehen an", so Sigmonds. "Als ich 2006 etwas über ein Radrennen in den Siebzigern las, stolperte ich über den Namen Verner Blaudzun. Es soll kein Tribut an den Fahrer selbst sein, sonst hätte ich mich Jan Ullrich oder Pantani genannt, aber ich verliebte mich einfach in den Klang des Wortes. Seitdem ist das mein Künstlername."
Zuhause in den Niederlanden hat Blaudzun es mit seinem Indie-Folk schon ziemlich weit gebracht. Seine Alben "Blaudzun" (2008) und "Seadrift Soundmachine" (2010) sorgten für begeisterte Kritiken und Vergleichen mit Arcade Fire, Ryan Adams und Antony and the Johnson. Mit seinem Anfang des Jahres veröffentlichten, dritten Album "Heavy Flowers" erreichte er Platz vier der heimischen Charts, seine Clubtour im Februar 2012 war komplett ausverkauft. Nun erscheint "Heavy Flowers" auch in Deutschland.
Dass die Songs darauf nicht nach den Niederlanden, sondern eher nach Amerika klingen, weiß Blaudzun zu erklären. "Neben Opernmusik und spiritueller Musik bin ich als Kind mit Bob Dylan und Johnny Cash aufgewachsen", sagt er. "Meine Musik hat aber auch europäische Einflüsse. Später als Teenager habe ich die Beatles und Nirvana entdeckt. Außerdem liebe ich die Melancholie von Balkan-Musik, die emotionale Kapitulation in spanischen Volksliedern und den Rhythmus und die Instrumente des Irish Folk."
Auf "Heavy Flowers" widmet Blaudzun sich erneut dem Indie-Folk, allerdings klangen seine Songs noch nie so dynamisch und musikalisch vielfältig wie dieses Mal. Eindringliche Melodien treffen auf dichte und zum Teil wirklich dramatische Streicher-Arrangements, daneben kommen zahlreiche weitere Instrumente von Glockenspiel über Banjo bis zur Lap-Steel-Gitarre zum Einsatz. "Dieser Sound hat sich natürlich entwickelt und ist vor allem ein Resultat vom vielen Touren", so Blaudzun. Live ist er nämlich mit einer bis zu siebenköpfigen Band unterwegs. Das Album allerdings hat er zum Großteil alleine eingespielt und auch die Produktion nahm er selbst in die Hand.
Textlich geht es in den Songs um ernste Themen wie Verlust, gebrochene Herzen und sogar den Tod. "Die Geschichte von uns Menschen ist wie eine schwere Blume", sagt Blaudzun und nimmt damit Bezug auf den Albumtitel. "Wir wachsen und wachsen und auf dem Gipfel der Blüte brechen und fallen wir. Das ist wie der wunderschöne Verfall in Van Goghs Sonnenblumen. Es ist manchmal hart, aber gleichzeitig macht es den Weg frei für einen neuen Anfang. Deswegen ist in meinen Songs immer auch ein Element der Hoffnung." Oft basieren die Stücke auf persönlichen Erlebnissen, allerdings sind sie keine musikalisch vertonten Tagebucheinträge. Vielmehr macht Blaudzun aus seinen Gefühlen und Erlebnissen kleine Geschichten. "Meine Songs sind wie kleine Häuser", sagt er, "durch die die Hörer laufen können, in denen sie leben, sich verstecken oder einfach nur eine Party feiern können."
Einen Tag nach Veröffentlichung seines Albums wird Blaudzun neben WhomadeWho, The Whitest Boy Alive, We Have Band und vielen anderen beim BootBooHook Festival in Hannover auftreten. Ende September folgt seine erste Deutschland-Tour, unter anderem mit einem Auftritt beim Reeperbahn Festival in Hamburg.
www.blaudzun.com
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